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Die Zukunft der Schulartempfehlung

Veröffentlicht am 20.01.2014, 21:46 Uhr     Druckversion

Foto: Landtag

Landtag beschließt neues Schulgesetz am Mittwoch

Vom 22. - 24. Januar tagt der Landtag in Kiel. Die Tagesordnung und die Reihenfolge der Beratung finden sich hier: http://www.landtag.ltsh.de/. Am Mittwoch wird in zweiter Lesung das neue Schulgesetz beschlossen. Über den Dialogprozess und anstehende Änderungen habe ich bereits informiert. In letzter Zeit erreichten mich viele Anfragen zum Thema Schulartempfehlung / Schräg

Es heißt in unserem Koalitionsvertrag auf Seite 18: „Auf Abschulungen soll in unseren Schulen ebenso verzichtet werden wie auf Schulartempfehlungen.“ Mit Abschulungen sind Schrägversetzungen gemeint, also ein Schulwechsel gegen den Willen des Kinder und / oder der Eltern. Unberührt bleibt das Recht auf freie Schulwahl.

Schulartempfehlung und Schrägversetzung müssen immer gemeinsam betrachtet werden, waren gemeinsam auch Thema einer der Arbeitsgruppen, die sich aus der Bildungskonferenz heraus gegründet haben.

 

Schulartempfehlung

Bisher ist es so, dass die Eltern von Grundschülern mit dem Halbjahreszeugnis in Klasse vier eine Schulübergangsempfehlung erhalten, die mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer in Einzelgesprächen erörtert wird. Kinder, die eine Empfehlung zum Erwerb des Hauptschulabschlusses bekommen, dürfen nicht am Gymnasium angemeldet werden. Das ist geregelt in der Orientierungsstufenverordnung §3).

Diese Regelung führt bereits in Klasse 3 zu einem Druck auf Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen, Lehrer und Eltern. Das geht bei Nachhilfestunden für Neunjährige los und endet bei juristischen Einwendungen gegen Notenvergaben. Das ist der pädagogischen Arbeit an der Grundschule nicht dienlich.  

Wir wollen Druck aus der Grundschule herausnehmen und das Wahlrecht, damit aber gleichzeitig auch die Verantwortung der Eltern stärken.

Unsere Grundschullehrkräfte haben eine hohe diagnostische Kompetenz und können über ein Kind, dass sie vier Jahre lang begleitet haben, viel sagen. Deshalb soll am Beratungsgespräch zum Schulübergang festgehalten werden.

Die Frage ist nun, was mit Kindern passiert, deren Eltern falsch beraten werden oder sich nicht an die Empfehlungen halten. Ein Kind, das das Zeug zum Abitur hat, aber nicht an einem Gymnasium angemeldet wird, hat künftig keine gravierenden Nachteile mehr zu befürchten. Die Alternative zum Gymnasium ist die Gemeinschaftsschule, auch auf diesem Weg ist das Erreichen des Abiturs möglich. Und ein Kind, das fälschlicherweise am Gymnasium landet?

 

Schrägversetzung heute und warum wir sie abschaffen wollten

Momentan heißt es in der Landesverordnung über die Sekundarstufe I der Gymnasien (§3) u.a.: „Das Aufsteigen in die Jahrgangsstufe 7 erfolgt durch Versetzungsbeschluss der Klassenkonferenz am Schuljahresende. Versetzt werden alle Schülerinnen und Schüler, deren Leistungen in nicht mehr als einem Fach schlechter als ausreichend sind. Sofern diese Bedingung nicht erfüllt ist, kann die Klassenkonferenz die Versetzung beschließen, wenn sie zu der Auffassung gelangt, dass die Schülerin oder der Schüler im Gymnasium erfolgreich mitarbeiten kann. Eine Schülerin oder ein Schüler, die oder der nicht in die 7. Jahrgangsstufe des Gymnasiums versetzt wird, ist in die 7. Jahrgangsstufe der Regionalschule oder der Gemeinschaftsschule schrägversetzt. Die Schrägversetzung ist schriftlich zu begründen und den Eltern gemeinsam mit dem Zeugnis zu übermitteln.“ 

Wir hatten uns im Koalitionsvertrag vorgenommen, diese Möglichkeit abzuschaffen, weil der Schule hier eher eine Rolle des Sortierens zukommt als eine des Förderns und Forderns. Im schlimmsten Fall wird nicht gefragt: „Wie können wir dem Schüler oder der Schülerin helfen?“, sondern: „Wer gehört nicht hierher?“. Es trifft nicht die Mehrheit der Gymnasien im Lande, aber in der Nachbarschaft einiger Gymnasien gab es in der Vergangenheit Gemeinschaftsschulen, die im siebten Jahrgang eine komplette Klasse aus „Rückläufern vom Gymnasium“  einrichten mussten. Eine komplette Klasse junger Menschen, die nach einem Erlebnis des Misserfolgs zunächst wieder aufgebaut werden müssen. Grundsätzlich kritisieren die Gemeinschaftsschulen zudem, dass sie pädagogische Konzepte verfolgen, die ab Klasse fünf durchgängig zu betrachten sind, weswegen es nicht einfach ist, später immer wieder Kinder aufzunehmen, die am Gymnasium aussortiert wurden.

Wir wollen, dass Schulen Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler übernehmen, die ihnen anvertraut sind.

 

Schrägversetzung künftig

Nun hat sich im Bildungsdialog gezeigt dass manche Gymnasien von der Sorge geplagt werden, Eltern würden ihre Kinder, die nicht für das Gymnasium geeignet sind, hier anmelden und die Gymnasien hätten dann keine Möglichkeit mehr, diese Kinder loszuwerden. Diese Sorge teile ich aus zwei Gründen nur in Einzelfällen, dennoch haben wir sie ernst genommen und die Möglichkeit der Schrägversetzung beibehalten.

Die zwei Gründe: Bereits heute werden Kinder und Eltern oft beraten und streben „freiwillig“ einen Schulwechsel an. Zweitens haben wir viele Gymnasien im Land, die tatsächlich fast alle ihnen anvertrauen Schülerinnen und Schüler mindestens bis zum Ende der Sekundarstufe I fördern und fordern, die also schon das leisten, was wir künftig von allen verlangen. 

§ 9 Abs. 3 des Schulgesetzes  erhält nun folgende Fassung:

„An den Gymnasien bilden die ersten beiden Jahrgangsstufen die Orientierungsstufe. Die Orientierungsstufe dient der Erprobung, der Förderung und der Beobachtung der Schülerin oder des Schülers, um in Zusammenarbeit mit den Eltern die Entscheidung über die Eignung der Schülerin oder des Schülers für das Gymnasium abzusichern. Das Gymnasium hat seinen Unterricht so zu gestalten und die Schülerin oder den Schüler so zu fördern, dass die Versetzung in die Jahrgangsstufe 7 am Gymnasium der Regelfall ist. Das Gymnasium weist die Schülerin oder den Schüler mit dem Abschluss der Orientierungsstufe der nächsten Jahrgangsstufe der Gemeinschaftsschule nur zu (Schrägversetzung), wenn die Leistungen trotz der individuellen Förderung den Anforderungen des Gymnasiums nicht genügen.“

Das „Neue“ wird vermutlich weniger die von Ihnen so genannte Ausnahmeregelung sein. Hier werden die Regelungen wohl dieselben bleiben, die sich heute in der Verordnung finden („Leistungen in nicht mehr als einem Fach schlechter als ausreichend“ etc.). Eine Schrägversetzung muss nicht genehmigt werden, es ist geregelt, unter welchen Bedingungen sie zulässig ist. Neu ist eher der Hinweis auf die Förderung der Schülerin oder des Schülers. Nicht mehr: „Wer gehört nicht hierher?“, sondern: „Wie können wir dem Schüler oder der Schülerin helfen?“ Noch einmal: Viele Gymnasien leisten heute schon, was wir künftig von allen verlangen.

Homepage: Martin Habersaat, MdL


Kommentare
RE: Die Zukunft der Schulartempfehlung, Petra Schmittner, (23.01.2014, 07:55 Uhr)
 
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